Patches richtig waschen und pflegen
- Anika Nitzsche
- 16. Juni
- 3 Min. Lesezeit
„Hallo Anika, mein Patch hat sich nach der ersten Wäsche an einer Ecke gelöst. Habe ich was falsch gemacht? Bin total traurig …“ Diese Nachricht bekomme ich öfter, als du vielleicht denkst. Und jedes Mal kann ich entwarnen. Patches sind eines der pflegeleichtesten DIY-
Elemente, die es gibt — wenn du drei kleine Regeln kennst. Tust du das, hält dein Patch problemlos zwei bis drei Jahre. Tust du das nicht, ist die erste Maschinenwäsche manchmal schon die letzte. Hier kommen die Regeln, die wirklich zählen.
Die drei wichtigsten Regeln
Wenn du nur drei Dinge aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese. Kein Trockner. Auf links waschen. Maximal dreißig Grad. Damit hast du schon neunzig Prozent dessen, was wichtig ist. Die restlichen zehn Prozent erkläre ich dir aber gerne — auch, weil ich glaube, dass du nicht nur wissen willst, was du tun sollst, sondern auch warum.
Auf links waschen — warum das so viel ausmacht
Wenn die Maschine läuft, reiben Kleidungsstücke unentwegt aneinander. Das ist normaler Wäschevorgang, und für die meisten Stoffe völlig okay. Nur für deinen Patch ist die ständige mechanische Reibung der größte Gegner. Die Patch-Ränder werden Faden für Faden gelöst, der Kleber darunter wird durch die Bewegung gequetscht, und mit der Zeit hebt sich der Aufnäher genau dort ab, wo die
Reibung am stärksten war.
Wenn du das Kleidungsstück auf links wäschst, liegt der Patch innen und ist von der Reibung mit anderen Stücken weitgehend geschützt. Die Stelle bekommt zwar trotzdem Wasser und Waschmittel, aber kein ständiges Schmirgeln mehr. Das verlängert die Lebensdauer deines Patches problemlos um Jahre.
Maximal 30 Grad — und am liebsten kalt
Der Kleber unter dem Patch ist temperaturempfindlich. Er hält bei alltäglichen Temperaturen problemlos, aber bei sechzig Grad Wäsche beginnt er, weicher zu werden. Wäscht du mehrmals heiß, schwächst du den Klebepunkt mit jeder Wäsche ein bisschen — bis der Patch sich an einer Ecke abhebt. Ich habe selbst die Probe gemacht: Eine identische Patch-Konstellation bei zwanzig Grad und bei sechzig Grad waschen. Bei zwanzig Grad hielt der Patch nach zwölf Wäschen wie am ersten Tag. Bei sechzig Grad löste er sich nach der fünften.
Trockner: bitte nicht
Der Trockner ist der größte Patch-Feind überhaupt. Erstens ist die Temperatur dort fast immer höher als sechzig Grad. Zweitens bewegt sich die Wäsche permanent und reibt aneinander. Drittens kommt mechanische Spannung dazu, wenn sich Wäschestücke gegenseitig verheddern. Wenn du Patches im Trockner trocknest, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende. Lufttrocknen reicht völlig — und
ist nebenbei auch besser für die Umwelt, deinen Stromverbrauch und den Stoff selbst.
Bügeln nach dem Waschen — ja oder nein?
Hier wirst du auf zwei verschiedene Meinungen treffen. Ich sage: lieber nicht direkt über den Patch bügeln. Wenn das Kleidungsstück verknittert ist und du bügeln willst, dann gerne — aber mit einem Tuch zwischen Bügeleisen und Patch, oder von der Innenseite. Direktes Bügeln auf den Patch kann den Druck der Faser über die Klebepunkte verändern, und in seltenen Fällen verfärben sich besonders
helle oder filigrane Patches dadurch leicht.
Wenn sich doch eine Ecke löst
Sollte nach längerem Tragen oder einer versehentlichen Heißwäsche doch mal eine Ecke abstehen, ist das kein Drama. Du kannst den Patch jederzeit „nachbügeln“. Tuch über die Stelle, Bügeleisen auf die Stoffstufe heizen, fünfzehn Sekunden fest pressen, auskühlen lassen. In über neunzig Prozent der Fälle hält der Patch danach so fest wie am ersten Tag.
Besonderheiten bei Kinderkleidung
Kinderkleidung wird häufig und intensiver gewaschen als unsere. Wenn dein Kind einen Lieblings-Patch hat, würde ich ihn alle drei bis vier Monate kurz nachbügeln — als Routine, damit gar nichts mehr anbrennt. Das dauert zwei Minuten und ist eine kleine Geste der Sorgfalt, die deinem Kind ein Lieblingsteil länger erhält. Wenn der Patch sehr beansprucht wird (z. B. am Knie), kannst du ihn
zusätzlich an den Außenrändern mit ein paar Stichen annähen — das ist eine kleine Versicherung gegen das Schicksal.
Tipp aus der Werkstatt
Wenn du mal einen Patch erwischst, der nicht hält wie versprochen, melde dich. Wir kümmern uns. Eine kleine Marke kann das tun, was große nicht können — sich um den einzelnen Patch und das einzelne Stück Kleidung kümmern.
Wenn dir dieser Artikel geholfen hat, freue ich mich, wenn du ihn an eine Freundin schickst, die gerade ihren ersten Patch hat. Das spart uns allen Nachrichten mit feuchten Augen am Küchentisch. Und es ist nebenbei genau das, was Slow Fashion eigentlich bedeutet: gut pflegen, lange tragen, mit Geschichten füllen.